Landau. Vergangenen Sonntag hat als Auftakt der 300 Jahr Feier der Stadtpfarrkirche St. Maria und der Steinfelskirche in der Stadtpfarrkirche der jährliche Gedenkgottesdienst stattgefunden. Dieser wurde von Stadtpfarrer August Lindmeier zelebriert. Zahlreiche Würdenträger der Stadt, darunter Bürgermeister Matthias Kohlmayer sowie stellvertretender Landrat Dr. Franz Gassner waren anwesend. Die musikalische Gestaltung übernahmen Regionalkantor Christian Müller an der Orgel und Johannes Troiber an der Trompete. Stadtpfarrer August Lindmeier erinnerte daran, dass die beiden Landauer Pfarreien und die Sebastianibruderschaft wie jedes Jahr der Pestkatastrophe aus dem Jahr 1 713 gedenken und das Gelübde der einstigen Stadtväter aufrechterhalten . .,In früheren Zeiten waren die Menschen viel stärker den Bedrohungen der Natur ausgeliefert. Was man nicht verstehen konnte, erklärte man als ‚von Gott geschickt’ oder als ‚Strafe Gottes’ für das Fehlverhalten der Menschen”, erklärte der Stadtpfarrer.
Sich einüben auf das Vertrauen in Gott
Auch wenn man heute in medizinischen und technischen Bereichen viel mehr wüsste, scheine manches auch in unserer Zeit noch unabwendbar. Daher gelte es heute ebenso wie damals, sich einzuüben in das Vertrauen auf Gott und nicht erst an Gott zu denken, wenn die Not am größten ist, sondern ihn in das tägliche Leben einzubeziehen. „Deshalb wollen wir heute unseren Dank und unsere Bitten vor Gott bringen und den heiligen Sebastian als Landauer Schutzpatron um seine Fürsprache anrufen. Wenn wir auf Gott vertrauen und ihm folgen, werden wir selbst zum Licht Gottes”, betonte Stadtpfarrer Lindmeier.
Nach dem Gottesdienst zogen die Gläubigen gemeinsam mit dem Geistlichen, der das Allerheiligste unter dem Baldachin trug, singend und betend in einer Prozession hinunter zum Sebastianibrunnen. Kirchliche und weltliche Vereine begleiteten den Zug mit ihren Fahnenabordnungen und folgten der Fahne der Sebastianibruderschaft. Musikalisch gestaltet wurde die Prozession von den Bläsern der Stadtkapelle unter der Leitung von Heinrich Troiber. Am Sebastianibrunnen traf man auf die Gläubigen der Pfarrei St. Johannes, die sich mit Pater Merlu auf den Weg gemacht hatten. Stadtpfarrer Lindmeier erneuerte das Gelöbnis und betete zu Gott und dem heiligen Sebastian um den Schutz vor Unheil und Katastrophen für die Stadt Landau und ihre Bewohner. Anschließend zogen die Gläubigen zurück in die jeweiligen Stadtpfarrkirchen, wo der Festgottesdienst mit dem Schlusssegen und dem Te Deum endete. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 300. Jubiläum der Stadtpfarrkirche St. Maria waren die Gläubigen dann zur Einkehr im Gasthaus „Oberer Krieger” eingeladen.
Die im Jahr 1481 in Landau erichtete Sebastianibruderschaft zeugt von iner langen Geschichte und der Bedeutung des Schutzheiligen für die Bergstadt und ihrer Bewohner. Krankheiten und Seuchen bedrohten von jeher die Menschen und versetzten sie in Angst. Dies war auch im Jahr 1713 so, als die Pest in Landau grassierte. Um das Unheil abzuwenden, erbat die Bevölkerung Gottes Beistand. Auf die Fürsprache des Heiligen Sebastian fand das Sterben ein baldiges Ende. Zum Dank gelobten die Stadtväter, jedes Jahr einen Gedenkgottesdienst und eine Prozession zu Ehren des heiligen Sebastian durchzuführen. Ein weiteres sichtbares Zeugnis für die Verehrung des Schutzheiligen ist das Votivbild am südlichen ersten Seitenaltar in der Stadtpfarrkirche St. Maria, das dem Märtyrer gewidmet ist.
Text: Josef Aigner

